Next Generation - Mascha Corman

Mascha Corman FRIDAFoto/Credits:
Kilian Amrehn

Mascha Corman FRIDA

Drei Stimmen, Bass und Schlagzeug – schon auf den ersten Blick wird das Besondere dieses Quintetts offensichtlich. Die ungewöhnliche Besetzung ist aber nur ein charakteristisches Markenzeichen der Band, ein weiteres ist Fridas Repertoire. Couragiert und leichtfüßig, aber niemals leichtfertig lässt es Stil- und Genregrenzen rund um zeitgenössischen Jazz hinter sich. Auf ihrem Debütalbum Freedom of Flight (Oktober, 2020. Jazzsickrecords) präsentiert Frida

intensive Poesie-Vertonungen, individuelle Neudeutungen von Pop-Hits und eigene Kompositionen. Allen gemeinsam ist dieser spezielle, so vielleicht noch nie gehörte Frida- Sound, der Himmel und Erde zu verbinden scheint. Hier die oft glockenklaren, manchmal geradezu schwebenden, dann wieder nachdrücklichen oder lautmalerischen Stimmen. Dort ein knurrig-holziger, zuweilen absichtsvoll rau gestrichener Kontrabass und ein pointiert und dynamisch gespieltes Schlagzeug.
„Da wir kein Harmonieinstrument in der Band haben, klingt die Musik extrem transparent und direkt“, stellt Julia Ehninger fest. Die wandlungsfähige, mitunter spielerische Klangsprache des Albums ist zudem geprägt von warmen Timbres, die in manchen Variationen zugespitzt oder gebrochen werden, und von vielen unvorhersehbaren Wechseln. Es gibt lyrische Momente und kraftvolle Melodien, rhythmische Phrasierungen und Improvisationen. Frida nimmt sich die Freiheit zu einer ungewohnten Vielfalt, die in den vergangenen zwei Jahren viel Beifall bekommen hat. „Bei unseren Konzerten merken wir immer, dass wir nicht nur Jazzfans ansprechen, sondern durch die vermeintlich vertrauten Songs auch Anknüpfungspunkte für ein Pop-Publikum bieten – welches sich dann begeistert auf unsere Variationen einlässt“, sagt Ehninger.
Die stilistische Spannweite reflektiert die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Quintetts. „Freedom of Flight vereint nicht nur Songs und Texte aus unterschiedlichen Epochen und Lebensabschnitten“, konstatiert Mascha Corman, „sondern auch die Perspektiven und Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder.“ Und Drummer Jeroen Truyen ergänzt: „Frida ist ein Kind der 90er Jahre. Sie verarbeitet die prägende Musik aus ihrer Jugend und ihre Emotionen dazu.“
Eine derartige Hommage kann nach hinten losgehen, wenn sie in Schwelgerei oder gar Nostalgie erstarrt. Nichts dergleichen ist bei Frida zu erkennen, stattdessen aber ein entschlossener Gestaltungswillen. Selbst aus Gassenhauern wie Baby One More Time und Time After Time schlägt das Quintett ungeahnte neue Funken. Britney Spears' Hit verwandelt sich durch überraschende Brechungen und minimalistische, wiederkehrende Wortfetzen im Unisono der Sängerinnen vom verträumten Teeniesong zur ironisch gebrochenen Verabschiedung. Und Time After Time besticht (angelehnt an das Arrangement von The Bad Plus) durch rhythmische Raffinesse, komplexe Stimmführungen und nachdenkliche Ausstrahlung.
Souverän setzen Mascha Corman, Sara Decker und Julia Ehninger ihre versierte Gesangskunst ein und verzichten dabei bewusst auf jedes dramatisierende Pathos oder vordergründig auftrumpfende Stimmgewalt. Lieber beeindrucken sie mit subtilen Nuancen und mal fragilen, mal kraftvollen Details.
(N. Krampf/ FAZ)

(Text: Künstlerin, Agentur)

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